Anpassung der Vorlesungszeiten an europäische Standards

Die BuFaK WiSo fordert, die deutschen Vorlesungszeiten an die in Europa und den USA vorherrschenden Muster anzupassen und entsprechend vorzuverlegen.

Eines der Ziele von Bologna war die Steigerung der Mobilität im europäischen Hochschulraum. Grundsätzlich ist es für viele Studierende attraktiv, ein oder mehrere Semester im Ausland zu verbringen, jedoch besteht auch hier ein gewisses Entwicklungs- und Erleichterungspotential. So führen unterschiedliche Prüfungszeiträume dazu, dass vor Beginn des Auslandssemesters kein Antritt zu allen Prüfungen möglich ist. In Ermangelung eines einheitlichen Bewerbungsverfahrens sind Studierende in ihrer Wahl des Auslandsaufenthaltes hauptsächlich auf Partneruniversitäten beschränkt. Um die zuvor vorgetragenen Aspekte zu adressieren, fordert die BuFaK WiSo, andere hochschulpolitische Konferenzen, wie die KMK, HRK, WISOFT und BDK, dazu auf, zu prüfen was aus Ihrer Sicht in Deutschland und in Europa noch reformiert werden muss, um die folgenden Maßnahmen und Ziele umsetzen und erreichen zu können.

Die HRK hat dieses Bestreben bereits im Jahr 2007 geäußert und als Umsetzungsziel 2010 angestrebt. Dieses Ziel wurde seit den mittlerweile neun Jahren noch nicht erreicht, dennoch ist das Problem auch heute noch aktuell und akut (1).

Durch eine weitere Vereinheitlichung der europäischen Bildungssysteme sollen die Hürden für Auslandssemester reduziert und deren Attraktivität gesteigert werden. Hierzu muss die Implementierung einer europaweit einheitlichen Bewertungsskala vorangetrieben werden, um dadurch die Anrechnung von im Ausland erbrachten Leistungen zu vereinfachen. Darüber hinaus müssen die Semester- und Prüfungszeiträume europaweit weiter vereinheitlicht werden, um einfache Übergänge zum Auslandssemester zu ermöglichen.

Darüber hinaus müssen die (Semester) Vorlesungs- und Prüfungszeiträume europaweit weiter vereinheitlicht werden, um einfache Übergänge zum Auslandssemester zu ermöglichen. Daher fordern wir, die Semesterzeiten der deutschen Hochschulen an die (internationalen Standards anzugleichen) in Europa und den USA vorherrschenden Muster anzupassen und entsprechend vorzuverlegen. In einem Herbst/Wintersemester, welches den Zeitraum vom 1. September bis 28. Februar des Folgejahres umfasst, sollen diese Kernzeiten am ersten Montag des Septembers beginnen und spätestens Mitte/Ende Januar enden. In einem Frühjahrs-/Sommersemester, das den Zeitraum vom 1. März bis 31. August umfasst, sollen diese Kernzeiten am ersten Montag des März beginnen und spätestens Ende Juni enden (2).

Die Universität Mannheim zeigt bereits die Machbarkeit dieser Umstellung, indem sie ihre Semester- und Vorlesungszeiten für jeweils das Sommer- und Wintersemester vorverlegt hat. Auch die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg plant im Rahmen des Universitätszusammenschlusses “EUCOR – The European Campus EVTZ” die Semesterzeiten an die europäischen Zeiten anzupassen.

Da laut Hochschulrahmengesetz die Länder dafür Sorge tragen sollten, “dass die Gleichwertigkeit einander entsprechender Studien- und Prüfungsleistungen sowie Studienabschlüsse und die Möglichkeit des Hochschulwechsels gewährleistet werden.” (HRG §9(2)), fordert die BuFaK WiSo alle Landesregierungen auf bei dieser Thematik an einem Strang zu ziehen. Die Einführung eines europaweit einheitlichen Bewerbungssystems erhöht die Flexibilität der Studierenden im europäischen Hochschulraum und erleichtert den Zugang zu Auslandssemestern. Zudem wird die Hochschulauswahl für AbiturientInnen europaweit vereinfacht und vereinheitlicht und die AbiturientInnen wären auf Grund des früheren Semesterstarts eher an den Universitäten und deutlich näher an den Inhalten aus den Abiturprüfungen. Durch die Umstellung der Vorlesungszeiten kann also ein aktuell großer Standortnachteil Deutschlands im internationalen Vergleich ausgebessert werden, was den Wissenschaftsstandort Deutschland maßgeblich attraktiver gestalten wird.

In einer Zeit, in der die Identifizierung von Akademikern mit gemeinsamen Werten die Zukunft Europas verteidigt, fordern wir, allen wirtschaftswissenschaftlichen und den Studierenden aus anderen Fachbereichen den Zugang zu einem Auslandssemester bzw. gleichwertigen Ersatzleistungen zu ermöglichen und diesen möglichst zu vereinfachen und europaweit zu vereinheitlichen. Hierzu gehören auch internationale Konferenzen, welche durch diese Maßnahme sowohl für deutsche Studierende als auch für Forschende bzw. Lehrende deutlich einfacher zu koordinieren/besuchen wären.


(1): https://www.hrk.de/positionen/position/beschluss/detail/empfehlung-zur-harmonisierung-der-semester-und-vorlesungszeiten-an-deutschen-hochschulen-im-europaei/
(2): https://www.aaa.uni-augsburg.de/outgoing/studium/download_vz/semesterzeiten_europa.pdf
  • Beschlossen auf der Sommer BuFaK 2019 in Paderborn