Nachhaltige Entwicklung an deutschen Hochschulen

Aufgrund des rasanten Wandels der Erdsysteme durch Klimawandel, bedrohlicher Biodiversitätsverluste, Bodendegradation und Desertifikation, Wassermangel und -verschmutzung sowie der aktuellen weltweiten Ressourcenverknappung und globaler Ernährungsunsicherheiten möchte sich die Bundesfachschaftenkonferenz Wirtschafts- und Wirtschaftssozialwissenschaften für eine Transformation zur Nachhaltigkeit einsetzen (siehe WBGU 2011).
Wir fordern eine strategische und operative Implementierung von Nachhaltigkeit an den Hochschulen.

Unter dem Begriff der Nachhaltigkeit ist dabei eine “[…] Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können”, zu verstehen. (Iglesias, E. u.a. 1987: Our Common Future, Report of the World Commission on Environment and Development, S.4) Als dafür prozessual zu berücksichtigende Subthemen im Bereich der Hochschulbildung werden die Governance, betriebliche Umsetzungen sowie eine nachhaltig ausgerichtete Lehre und Forschung angesehen.

Governance

Angestrebt wird von allen, in der Bundesfachschaftenkonferenz vertretenen Hochschulen, die bundes- sowie landespolitische Etablierung der nachhaltigen Entwicklung, in Form von Nachhaltigkeits- und insbesondere Klimaschutzstrategien, deren operativen Umsetzung, hin zu ihrer strukturellen Verankerung. Dadurch nehmen Hochschulen ihre Vorreiterrolle für gesellschaftliche Transformationsprozesse ein und kommen gemäß Artikel 20a GG der Verpflichtung nach, sich für das Wohl der Menschen sowie dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen zu positionieren. Verantwortungsbewusst wollen wir Denken und Handeln, ganz im Sinne des Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung, welcher durch die UNESCO 2015 initiiert wurde.

Maßnahmen:

  • Langfristig wird die klimaneutralität, u.a. durch Energieeffizienz, der Hochschulbetriebe angestrebt.
  • Wir, als BuFaK WiSo, fordern eine Förderung von Diskussionsforen zum Thema Nachhaltigkeit an Hochschulen.
  • Die BuFaK WiSo spricht sich für eine bundesweite Erstellung von Nachhaltigkeitsberichtserstattungen an Hochschulen aus.

Hochschulbetrieb

Zudem sollen die Hochschulbetriebe ein Umweltmanagementsystem einführen, ihr nachhaltiges Beschaffungswesen ausbauen, sich für ein nachhaltiges Mobilitätskonzept einsetzen sowie aktive Gesundheitsförderung betreiben. Dahingehend sind auch ein nachhaltiges Ernährungsangebot und eine grüne Campusgestaltung erstrebenswert, wie z.B ein Campusgarten, die als Grundlage einer studentischen Gesundheit und der Erholung dient.

Maßnahmen:

  • Die BuFaK spricht sich langfristig für eine Einführung eines Nachhaltigkeits- und Umweltmanagementsystems an allen deutschen Hochschulen aus. (ISO 14001 oder EMAS) Diese Maßnahme dient u.a. der Erhöhung der Prozesseffizienz sowie der allgemeinen Ressourcenschonung.
  • Des Weiteren ist, im Zuge eines nachhaltigen Mobilitätskonzeptes, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder die Bereitstellung von Campusfahrrädern zu bevorzugen.
  • Zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung sind innovative Lebensmittelretterkonzepte, wie zum Beispiel Foodsaving, zu implementieren.
  • Erstrebenswert ist zeitgleich ein größtmögliches Divestment des Anlagevermögens aus bestehenden, unethischen Anlagen. (vgl. https://gofossilfree.org/de/was-ist-divestment/)

Lehre

Didaktisch sollen die Studierenden verstärkt Kompetenz statt ausschließlich Fachwissen erwerben können, indem kritisches Denken, Theorie- und Methodenvielfalt sowie die Gestaltungs- und Handlungskompetenzen für die Lösungen zukünftiger, herausfordernder und komplexer Probleme in der Hochschullehre gefördert werden. Wir fordern damit die Einführung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Hochschullehre. Unterstützend sind Anreize für eine qualitativ hochwertige Lehre zu setzen.

Maßnahmen:

  • Im Sinne einer nachhaltigen Lehre fordern wir, als BuFaK WiSo, Prüfungsformate, die mehr Anwendungswissen und Reflexionsfähigkeit statt die reine Wissenswiedergabe abfragen.
  • Zusätzlich wird eine angemessen hohe Interdisziplinarität als wünschenswerte Komponente im Curriculum angestrebt.
  • Weiterhin sollen kreative Aktionen zur Umsetzung von Theorien- und Methodenvielfalt, wie beispielsweise Online-Plattformen zur Sammlung von Vorlesungskonzepten, Summer Schools oder Projektwerkstätten unterstützt werden.
  • Beschlossen auf der Winter-BuFaK in Dortmund (03.11.2018)