Wissenschaftlichkeit im Studium

Die BuFaK WiSo fordert Lehrpersonal, Studiengangsverantwortliche und -gestalter dazu auf, wirtschafts- und wirtschaftssozialwissenschaftliche Studiengänge sowohl auf Bachelor- als auch auf Master-Ebene insbesondere mit Blick auf Wissenschaftlichkeit zu gestalten und auszufüllen, ohne bestehende Praxisanteile in den Hintergrund zu rücken. Wissenschaft und Praxis widersprechen sich hierbei nicht, sondern ergänzen sich gegenseitig. Ein besonderes Augenmerk sollte hierbei auch auf Studienanfänger gelegt werden, die aufgrund ihrer Heterogenität und damit verbundener unterschiedlicher Vorkenntnisse eine Herausforderung darstellen.

Was bedeutet Wissenschaftlichkeit

Im Gegensatz zu einem starken Praxisbezug steht die Wissenschaftlichkeit in einem Studium bislang häufig nicht im Vordergrund der öffentlichen Diskussion und wenn doch, dann mit Bezug auf das „wissenschaftlichere“ Studium im Master. Dabei ist die Wissenschaftlichkeit der Punkt, der ein Studium von einer beruflichen Ausbildung unterscheidet und es davon abgrenzt. Im Wesentlichen bedeutet Wissenschaftlichkeit, dass der Studierende in der Lage ist, kritische Fragen zu stellen. Hierdurch zeichnet sich die wissenschaftliche Arbeit durch eigene Denkleistung aus, die zu begründeten, nachvollziehbaren und kritisch reflektierten Ergebnissen führt und dabei auf bestehende Erkenntnisse aufbaut und darüber hinausgeht. Der Praxisbezug im Studium fokussiert sich dabei eher auf die Anwendung von Gelerntem.

Im Studium sollte sich hier eine Balance einstellen, die einerseits Grundlagen vermittelt, diese zur Anwendung bringt und im Folgenden darüber hinausgeht und die Studierenden dazu anregt, basierend auf ihrem erlernten Wissen eigenständig und wissenschaftlich an neue Probleme heranzugehen und in unbekannten Problemen Lösungsprozesse zu erarbeiten und durchzuführen.

Eine große Herausforderung ist das Vorwissen der Studienanfänger. Diese sind zunehmend heterogen zusammengemischt und kommen aus den unterschiedlichsten sozialen, kulturellen und beruflichen Hintergründen. Aufgrund dessen unterscheiden sich auch die Erfahrungen, Vorkenntnisse und Herangehensweisen sehr stark. Die Hochschulen versuchen hier gegenzulenken und treffen Maßnahmen mit einem Fokus auf die Studieneingangsphase und die Übergangsphase ins Studium.

Hochschulen und insbesondere die Lehrenden dürfen sich aber nicht nur auf die Studieneingangsphase beschränken und insbesondere die Heterogenität der Studierenden nicht als Studierfähigkeit auslegen. Vielmehr muss Wissenschaftlichkeit ein fester und wichtiger Bestandteil nicht nur in Vorkursen vor dem Studium und im Master sein, sondern sich als roter Faden durch das gesamte Studium ziehen, auch auf Bachelor-Ebene. Die Gründe hierfür liegen nicht nur darin, eine einheitliche Wissensbasis für die Studierenden zu schaffen und diese für einen Master zu befähigen, sondern auch in der Wissenschaftlichkeit als Alleinstellungsmerkmal des Studiums. Die Vermittlung wissenschaftlicher Methoden unterscheidet das Studium von der Berufsausbildung und die fachspezifischen Methoden fördern eine Fachidentifikation der Studierenden. Ebenfalls ist eine solide Vertrautheit mit wissenschaftlichen Methoden grundlegend für den wissenschaftlichen Nachwuchs, dessen Ausbildung den zusätzlichen Aufwand für die Lehrenden leicht rechtfertigt.

Facetten der Vermittlung wissenschaftlicher Kompetenz

Wissenschaftliches Arbeiten

Ein Teil der Beförderung wissenschaftlicher Kompetenz, welcher seit jeher einen sehr großen Teil des Studiums sowohl auf Bachelor-Ebene als auch Master-Ebene ausmacht, ist das wissenschaftliche Arbeiten. Hierbei geht es insbesondere um die Grundlagen des wissenschaftlichen Schreibens, von der Literaturrecherche, -analyse, dem Verfassen von wissenschaftlichen Texten und dem richtigen Zitieren. Die BuFaK WiSo vertritt den Standpunkt, dass wissenschaftliches Arbeiten vorrangig anhand von praxisrelevanten Themen und durch Anwendung erlernt und eingeprägt werden kann.

Methodenkompetenz

Die Methodenkompetenz ist als Querschnittskompetenz Bestandteil von Fachkompetenz, Selbstkompetenz und sozialer Kompetenz. Sie umfasst Fähigkeiten, um Prozesse und Ergebnisse richtig zu interpretieren und präsentieren, adäquate Problemlösungsstrategien zu entwickeln, auszuwählen und anzuwenden sowie Kenntnisse und Wissen bei Aufgaben Zielgerichtet einzusetzen. Die Methodenkompetenz ist ein unersetzlicher Teil eines von Wissenschaftlichkeit geprägten Studiums und ihre Beförderung und Anwendung muss einen bedeutenden Anteil im Bachelor- und Masterstudium einnehmen. Hierzu zählt auch die Vermittlung von kritisch-analytischem Denken, das Abstrahieren konkreten Wissens sowie Integration von vorhandenem und neuen Wissen in komplexen Zusammenhängen auch auf der Grundlage begrenzter Informationen, die begründete Auswahl und Anwendung von Forschungsmethoden und die kritische Interpretation und Erläuterung von Forschungsergebnissen.

Good Practice Beispiele

Grundlagen legen – TU Dresden: Module Wissenschaftlich Praktisches Arbeiten (WPA) & Methodische Grundlagen

Das Katalogmodul Wissenschaftlich Praktisches Arbeiten (WPA) ist planmäßig im 3. Semester für alle Bachelorstudierenden, im 4. Semester für alle Diplomstudierenden der Fakultät Wirtschaftswissenschaften abzulegen. Es besteht aus einer Seminararbeit und 2 kleineren, aus einem Katalogangebot auszuwählenden, Teilleistungen. Zu Letzteren zählen, neben thematisch eng verwandten Angeboten wie LaTeX, Excel oder einer Einführung in das Wissenschaftliche Arbeiten auch Sprachkurse oder der bei der IG Börse erwerbbare Börsenführerschein.

Für die Seminararbeiten geben die Studierenden zu Semesterbeginn ihre Präferenzen für den betreuenden Lehrstuhl an. Nach erfolgter Zuteilung werden in durch die Lehrstühle organisierten Seminaren Grundlagen in Literaturrecherche, Zitationstechnik, wissenschaftlicher Form und Ausdrucksweise vermittelt. Im weiteren Verlauf schreiben die Teilnehmer zu einerseits frei gewählten und andererseits auch zugeteilten Themen Seminararbeiten. Dieser Prozess wird von den Seminarbetreuern begleitet und durch persönliches Feedback unterstützt.

Das Diplom- & Masterkatalogmodul Methodische Grundlagen setzt sich aus der Pflichtveranstaltung “Wissenschaftstheoretische Grundlagen” und einem aus einem Katalogangebot auszuwählendem Wahlpflichtfach. Beispiele für die angebotenen Katalogmodule sind “Wissenschaftliches Arbeiten mit R” oder “Ökonometrie”.

Besonders positiv hervorzuheben ist die Mischung von theoretischer und praktischer Auseinandersetzung mit Wissenschaftlichkeit in beiden Modulen. Der Anspruch der Lehre, die nötigen Kompetenzen für wissenschaftliches Arbeiten aktiv zu vermitteln und zu prüfen, ist begrüßenswert.

Forschung analysieren – Universität Paderborn: Forschungsmethoden der Wirtschaftsinformatik

Insbesondere mit Blick auf die begründete Auswahl und Anwendung wissenschaftlicher Methodik und der kritisch-analytischen Reflektion von Forschungsergebnissen ist das Modul Forschungsmethoden in der Wirtschaftsinformatik an der Universität Paderborn hervorzuheben. In diesem werden wissenschaftliche Publikationen in Gruppenarbeiten zusammengefasst, analysiert und begutachtet. Jeweils eine Gruppe nimmt dabei die Position der Beitragsautoren ein, während eine weitere die Gegenperspektive einnimmt und den Beitrag kritisch analysiert und diskutiert. Dabei treten die „Beitragsautoren“ den „Gutachtern“ in Präsentationen gegenüber. Dies soll ermöglichen, mithilfe kritisch-analytischen Denkens, komplexe Sachverhalte und Forschungsergebnisse schnell zu durchdringen und zu reflektieren. Abschließend werden die Ergebnisse dieser Arbeiten mit allen Modulteilnehmern diskutiert und wissenschaftlich in einem kurzen Beitrag aufbereitet.

Projekt Humboldt Reloaded - Universität Hohenheim: Forschendes Lernen

Studierende sowie Mitarbeiter der Universität können Seminare einreichen, die sich mit dem Forschungsprozess bzw. spezifischen Forschungsfragen beschäftigen. Studierende können dann diese Seminare wählen, werden in Kleingruppen durch den Forschungsprozess begleitet und erhalten begleitend Ausbildung in wissenschaftlichen Methoden. Ergebnis dieser Gruppen sind projektbezogene Paper, die auf einem jährlichen Kongress vorgestellt werden. Dieses Projekt wurde mit dem deutschen Exzellenzpreis für Lehre ausgezeichnet.

Forschungsorientiertes Lehren und Lernen (FoLL) - Georg-August-Universität Göttingen

Das FoLL-Projekt ermöglicht es Studierenden im Bachelor und unter Betreuung eines Lehrenden eigenständig zu forschen. Sie erfahren einen zusammenhängenden Prozess von der Projektplanung und Antragsstellung bis zur öffentlichen Präsentation. Parallel zum Forschungsprozess bietet die Hochschuldidaktik Workshops und Beratung für Lehrende und Studierende an. Das Projekt wird aus Mitteln des BMBF gefördert, sodass den studentischen Forschungsteams auch ein Forschungsbudget (i.H.v. max. 5.000€) zur Verfügung gestellt wird. Gleichzeitig kann es als individuelles Modul jedem Studierenden angerechnet werden, um sicherzustellen, dass im Studienverlauf kein Nachteil entsteht. Besonders hervorzuheben ist die große Interdisziplinarität des Projekts. Die Studierenden kommen in vielen Fällen aus verschiedenen Fakultäten zusammen und ergänzen sich so in ihrer Methodik und Herangehensweise.

  • Beschlossen auf der Winter-BuFaK in Dortmund (03.11.2018)